Samstag, 1. September 2018

Überreich gesegnet

Hannes hat es geschafft. Seit Monaten - oder besser gesagt Jahren - hatte Hannes, einer unserer wohnungslosen Männer, mit einer kaputten Lunge zu kämpfen gehabt. Die letzten Wochen waren eine reine Qual für ihn und zum Schluss wog er nicht mehr als ein Kind. Sein Körper konnte einfach nicht mehr. Vor ein paar Tagen wurde Hannes dann von seinem Leiden erlöst und verstarb.


Hannes kam vor 4,5 Jahren nach Melusi und gehörte damit zu den Männern, die mit Abstand am längsten bei uns waren. Melusi war für ihn weit mehr als eine Zwischenstation in seinem Leben. Es war für ihn ein echtes Zuhause geworden. Hannes war ein Teil der Melusi Gemeinschaft und gehörte irgendwie zu unserer Familie. 
Darüber hinaus hat er ihn Melusi auch zurück zu GOTT gefunden. Trotz seiner gesundheitlichen Kämpfe und seinem bevorstehenden Tod hat er noch vor kurzem gesagt: "Ich bin überreich gesegnet!" Hannes wußte, dass ein noch besseres Zuhause und ein schmerzfreies Leben auf ihn wartete. Danach hat er sich gesehnt, dafür hat er gebetet. Nun hat es Hannes geschafft.

Samstag, 25. August 2018

Das ist alles nur gelogen

Michael - einer unserer Residents - hatte eine unglaubliche freundliche, hilfbereite und angenehme Art. Er war einer der Männer, der schnell das Vertrauen der anderen Mitbewohner und auch der Mitarbeiter gewann und der von allen hoch geschätzt wurde. Durch den Unfalltod seiner Frau und seiner einzigen Tochter zerbrach das Leben von Michael vor 3,5 Jahren innerhalb kürzester Zeit. Der Alkohol wurde sein neuer Begleiter. Doch seitdem er nach Melusi kam, schien Michael so richtig aufzublühen. In den letzten Monaten arbeitete er in unserer Küche und konnte damit sein Können als Koch super einbringen. Es war eine Freude, ihn zu sehen und sein Lebenswandel war für uns alle eine große Ermutigung. Endlich mal wieder ein Mann, der es geschafft hat. [Blog: "Frieden gefunden"]
Jedenfalls dachten wir dies. Doch vor wenigen Tagen stellte sich alles plötzlich als eine große Lüge heraus. Besucher, die von einer anderen Einrichtung für wohnungslose Männer nach Melusi kamen, erkannten ihn und erzählten uns einen anderen Teil seiner Geschichte. Schon vor sieben Jahren war er für mehrere Monate Gast in dieser Einrichtung. Auch dort erzählte er seine rührselige Geschichte vom angeblichen Unfalltod seiner Frau und Tochter. Auch dort gewann er schnell die Herzen und das Vertrauen der Verantwortlichen. Er kochte, erledigte die Einkäufe und brachte die Kinder mit einem Kleinbus zur Schule. Alles lief hervorragend - bis er eines Tages mit dem Auto abhaute und nicht wieder kam. 
Als wir Michael auf diesen Teil seiner Geschichte ansprachen, leugnete er alles ab. Ganz ruhig sprach er davon, dass dies alles ein großes Mißverständnis sei, er noch nie in dieser Einrichtung gewesen und zu dem angegebenen Zeitpunkt noch berufstätig war. Er wollte am nächsten Tag die Sterbeurkunde seiner Frau und einen Arbeitsnachweis für die letzten Jahre besorgen und damit alle Anschuldigungen entkräften. So machte er sich auf den Weg zu den entsprechenden Ämtern. Doch er kam nicht wieder zurück nach Melusi.
Als wir uns daraufhin mit seinem Bruder in Verbindung setzten, mussten wir hören, dass Michael in seiner eigenen Lügenwelt lebt. Seit Jahren ist er immer wieder mit der gleichen Geschichte unterwegs, sucht das Mitleid der Menschen, gewinnt durch seine freundliche Art schnell Vertrauen, übernimmt Verantwortung in Küchen und verschwindet von einem Tag auf den anderen Tag.
Das ist alles nur gelogen. Für uns ist dies nach wie vor ein großer Schock und wir haben uns selten so belogen und betrogen gefühlt. Und doch sind wir GOTT unendlich dankbar, dass die Geschichte aufflog, bevor Michael irgendeinen Schaden in Melusi anrichten konnte. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen, dass GOTT ihn aus seiner Lügenwelt befreit und er in Wahrheit leben kann.

Freitag, 17. August 2018

Die Tore zum Himmel

"Die Tore zum Himmel" schallt aus dem Lautsprecher und schnell hat sich eine große Menge von Kindern und Erwachsenen mitten im Dorf versammelt. Es ist Mittwoch Nachmittag und ein kleines Team von Melusi ist zu Besuch. Kidsclub, Bibelstunde und ein gemeinsames Essen stehen auf dem Programm. Doch zum Anfang wird getanzt...


Dienstag, 7. August 2018

Siyamthanda


Siyamthanda [Mitte] mit 5 Jahren
Die singenden und tanzenden Jugendlichen in ihren schwarzen T-Shirts mit den großen goldenen Buchstaben MYC (Melusi Youth Conference = Melusi-Jugendkonferenz) sind nicht zu übersehen. Sie ziehen mit lauter Musik durch die Straßen der Townships von Dundee und laden zur Jugendkonferenz in Melusi* ein. Wo sie hinkommen, lassen sich andere Jugendliche von ihrer Begeisterung anstecken. Schon bald ist das MYC-Lied überall auf den Straßen zu hören.
Als die Konferenz endlich beginnt, drängen sich bis zu 500 Jugendliche in dasgroße weiße Zelt auf dem Gelände der Melusi-Gemeinschaft. Sie singen, tanzen, hören gespannt bei den Zeugnissen und Predigten zu, sind tief bewegt von einem Theaterstück, machen gern bei den Spielen zwischen den Gottesdiensten mit und freuen sich, dass es für alle tolles Essen gibt. Es herrscht eine unglaubliche und überwältigende Atmosphäre. Gott ist spürbar da.

Eine der begeisterten Jugendlichen ist die zwölfjährige Siyamthanda. Obwohl auf der Einladung ausdrücklich „ab 14 Jahre“ steht, ist sie mit etlichen gleichaltrigen Freunden gekommen und hat sich unter die vielen Jugendlichen geschmuggelt. „MYC“ ist der alljährliche Höhepunkt in Melusi, und den möchte Siyamthanda auf keinen Fall verpassen, auch wenn sie erst zwölf ist. Schon als kleines Kind kannte sie die Leute von Melusi; nun will sie endlich zu den „Großen“ gehören.
So lange Siyamthanda sich erinnern kann, kommt wöchentlich ein Team von Melusi nach Dlamini, ihre kleinen Hüttensiedlung ohne Strom und fließend Wasser am Rande von Dundee. Dlamini ist ein Ort der Enttäuschten. Die meisten Leute zogen aus ländlichen Gegenden nach Dundee, um Arbeit und Wohlstand zu finden. Doch nur wenige von ihnen haben es geschafft. Viele hausen in erbärmlichen Lehm- und Blechhütten, kämpfen ums Überleben, sind täglich der steigenden Kriminalität ausgesetzt und flüchten in Alkohol.
Siyamthandas Mutter war eine dieser Enttäuschten. Schon als Jugendliche fing sie an, täglich zu trinken. Auch als sie ihre vier Kinder bekam, änderte sich nichts daran. Für sie als alleinerziehende Mutter war der Alkohol die einzige Möglichkeit, den Kummer zeitweise zu vergessen. An vielen Tagen hatte sie nichts, was sie Siyamthanda, ihrer jüngsten Tochter, zu essen geben konnte. Zu allem Überfluss hatte sie Siyamthanda bei der Geburt mit ihrem HIV/Aids-Virus angesteckt. 
Von Hoffnung und Leben spricht in Dlamini schon langer keiner mehr – nur die Mitarbeiter von Melusi. Immer wieder besuchen sie Siyamthanda und ihre Mutter in ihrer kleinen Hütte, bringen ein Lebensmittelpaket vorbei und beten für sie. Siyamthanda liebt diese regelmäßigen Besuche, die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die sie durch das Melusi-Team erlebt, und das fröhliche Kinderprogramm mitten im Dorf. Für einen Nachmittag in der Woche kann sie einfach Kind sein, unbeschwert spielen, mit echten Stiften malen, vor Freude tanzen und singen, der lustigen Handpuppe zuhören, die von Jesus spricht, und mit den Mitarbeitern für ihre Familie beten.

Anfänglich noch oft betrunken, fängt Siyamthandas Mutter an, recht regelmäßig zu einer kleinen Bibelstunde in ihrer Nachbarschaft zu gehen. Ende 2015 nimmt sie Jesus als ihren persönlichen Retter an, hört auf zu trinken und wird Anfang 2016 in Melusi getauft. Von nun an kommt Siyamthanda fast jeden Sonntag gemeinsam mit ihrer Mutter nach Melusi zum Gottesdienst. Als es ihrer Mutter lange Zeit gesundheitlich nicht gut geht und sie zwischendurch wieder rückfällig wird, sucht Siyamthanda den Kontakt nach Melusi und drängt ihre Mutter, mit ihr in den Gottesdienst zu gehen.
Sie liebt den Melusi-Kindergottesdienst, die mitreißenden Musikvideos, die den Kindern helfen, Gott anzubeten, die spannenden und anschaulichen Geschichten aus der Bibel, die Spiele im Anschluss, den Spielplatz direkt neben der Kirche. Hier in Melusi, wo mittlerweile jeden Sonntag bis zu 150 Kinder zur Kids Church kommen, trifft sie ihre Freunde aus den anderen Townships. Zu ihnen gehören die vielen Jungen, die in den fünf Fußballmannschaften von „Melusi United“ spielen und regelmäßig zum Gottesdienst kommen, ebenso wie die Kinder, die jeden Sonntag extra aus der Nachbarstadt mit einem Kleinbus zu Melusi fahren. Für sie alle ist Melusi Kids Church ihr geistliches Zuhause geworden.

Doch auch sonst fühlt sich Siyamthanda schon lange in Melusi zuhause. Einmal im Jahr wird Melusi tatsächlich für ein Wochenende zu ihrem Zuhause – immer dann, wenn sie an einer der Kinder- und Jugendfreizeiten teilnimmt. Bis zu 60 Mädchen oder Jungen wohnen dann im Freizeitheim, genießen es, in einem eigenen Bett zu schlafen, gönnen sich eine warme Dusche, freuen sich über die regelmäßige Mahlzeiten und sind mit vollem Herzen und großer Begeisterung beim Programm dabei. Eigentlich geht es für Siyamthanda und ihre Freunde schon lange nicht mehr nur ums Programm. Das Gefühl, dazuzugehören, geschätzt zu werden, angenommen zu sein und so Gottes Liebe praktisch zu erfahren, ist für sie viel wichtiger geworden. Siyamthanda bedeutet: „Wir lieben dich“. Und genau das ist der Grund, warum sie – neben vielen anderen – Teil der großen Melusi-Familie geworden ist.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Mitarbeiter gesucht

Generell herrscht in Melusi ein ständiges Kommen und Gehen von Mitarbeitern. Ein über viele Jahre recht beständiges Langzeitteam wird jährlich von fünf bis zehn Kurzzeitmitarbeiter unterstützt, die für ein paar Wochen oder Monate bei uns mitmachen. Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist, so haben wir uns doch dadurch mittlerweile an das Abschiednehmen gewöhnt.

Veränderungen im Melusi Team seit Anfang März 2018
Doch in den letzten Monaten haben wir auch zu einigen Freunden Tschüß sagen müssen, die über Jahre hinweg Teil der großen Melusi-Familie und damit auch Teil unseres Leben waren ["Ein schmerzhafter Abschied"]. Dies war natürlich nicht nur ein persönlicher Verlust, sondern auch ein großer Einschnitt für unsere verschiedenen Arbeitsbereiche. 
Zudem sind in den letzten Wochen auch noch die letzten Kurzzeitmitarbeiter des vergangenen Jahresteams wieder nach Hause gegangen. Obwohl wir momentan noch eine Gastfamilie haben, die überall kräftig mit hilft, freuen wir uns schon sehr auf fünf junge Frauen, die ab September unser Team und unser Leben für ein paar Monate bereichern werden.
Trotzdem suchen wir nun verstärkt nach neuen Mitarbeitern, die auch langfristig und mit ganzem Herzen Teil von Melusi werden wollen. Vor allem benötigen wir dringend Verstärkung für die Arbeit mit unseren wohnungslosen Männer, für die praktische Instandhaltung und Pflege des Melusi Geländes, für die Kinder- und Jugendarbeit, für die Melusi United Fußballmannschaften, die Gemeinschaftsküche, den Lobpreis im Gottesdienst ...
Melusi ist ein großartiger Ort, GOTT und den Menschen zu dienen ["Serving Christ, Serving others"]. Wer Interesse hat, darf sich gern bei uns melden.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Kinder-Visa

Die letzten Monate waren wir für uns geprägt von einer großen Unsicherheit. Die Visa-Anträge unserer Kinder wurden durch die zuständige südafrikanische Behörde fehlerhaft bearbeitet - mit dem Resultat, dass Elisa.Joy und Jo.Ann seit Anfang April kein gültiges Visa mehr hatten [Visa-Chaos]. Obwohl wir sofort Einspruch eingelegt hatten, hörten wir in den letzten Monaten nichts. Emails wurden nicht beantwortet, eine Telefonnumer gab es nicht und so standen wir ziemlich hilf- und ratlos da. 
Doch kurz vor unserem Urlaub gab es plötzlich einen überraschenden Anruf. Nachdem wir zahlreiche Emails geschrieben hatten und nun persönlich beim Visa-Büro vorbeischauen wollten [300km entfernt von uns], wurde uns der aktuelle Stand unseres Einspruchs mitgeteilt. Außerdem gab es nun plötzlich einen persönlichen Ansprechpartner und eine Telefonnummer. Danach dauerte es nicht mehr lange und uns wurde mitgeteilt, dass die neuen Visa-Bescheide für unsere Kinder eingetroffen sind. Gestern war es dann endlich soweit. Eine Freundin aus Melusi konnte die Visa der Kinder für uns abholen. Wir können es noch kaum glauben und sind überglücklich vor Freude, dass wir nun alle ein Visa für die nächsten drei Jahre haben. GOTT sei Dank.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Tiere, Tiere, Tiere

Zwei Wochen Urlaub in der Nähe des Krüger Nationalparks liegen hinter uns. Wir haben auf einem kleinen Campingplatz mitten im Busch gezeltet und die Ruhe, die Abgeschiedenheit und die vielen, vielen Tiere um uns herum genossen. Eine besondere Überraschung gab es, als an einem Morgen uns drei Giraffen an unserem Zelt besucht haben. Doch auch im Nationalpark haben wir eine ganze Menge Tiere gesehen und uns an ihn freuen können.

Es tat unwahrscheinlich gut, mal kein straffes Program zu haben, für nichts verantwortlich zu sein und richtig viel Zeit zu haben, um zu entspannen, als Familie auf Safari zu fahren, mit den Fahrrädern unterwegs zu sein, Frühstück am Crocodile River zu essen, gemeinsam am Feuer zu sitzen und die Zeit als Familie zu genießen. Es war eine tolle Zeit.