Dienstag, 23. November 2021

Visa-Chaos

Vor mehr als elf Monaten haben wir eine Verlängerung unserer Visa beantragt. Damals wurde uns gesagt, dass wir mit einer Bearbeitungszeit von ca. sechs Wochen rechnen können. Ziemlich zuversichtlich sind wir nach Hause gefahren und haben auf unsere neuen Visa gewartet. Seitdem ist viel Zeit vergangen und aus Zuversicht ist Frust geworden.

Da es keine Familienanträge gibt, sondern jeder einen eigenen Antrag einreichen muss und diese dann auch separat bearbeitet werden, haben wir nun auch fünf unterschiedliche Situationen.
Madeleine ist momentan die einzige, die ein gültiges Visa für den Zeitraum hat, in dem wir noch in Südafrika sein werden. Nach zehnmonatiger Wartezeit konnten wir es vor zwei Wochen tatsächlich abholen.
Stephan's Visaantrag wurde jedoch abgelehnt. Ein Dokument, welches bei Madeleine ohne Probleme akzeptiert wurde, war angeblich unzureichend. Der Bearbeiter bemängelte, dass auf dem Stempel des Arztes die konkrete Anschrift fehlte... Nun hatte Stephan zehn Tage Zeit, um Einspruch einzulegen. Dafür mussten noch einmal alle Unterlagen vom letzten Jahr persönlich beim Visa-Büro [300km entfernt] eingereicht werden. Nun geht das Warten wieder von vorne los.
Jo.Ann's Antrag wurde bereits im März genehmigt. Doch leider hat sie nur ein Visa bis Ende diesen Jahres bekommen. So ist sie mit Stephan gleich mitgefahren  und wir haben eine erneute Verlängerung beantragt.
Einen Tag nachdem wir beim Visa-Büro waren, erhielten wir die Nachricht, dass Ben.Luca's Antrag nun auch bearbeitet wurde und wir es abholen können. Doch momentan warten wir noch ab. 
Vielleicht wird ja auch noch der Antrag von Elisa.Joy demnächst bearbeitet und wir können die beiden Visa gleichzeitig abholen. Aber vielleicht wird auch ein weiterer Antrag abgelehnt und wir müssen noch einmal Einspruch einlegen. Wir sind gespannt und hoffen einfach nur, dass wir demnächst alle ein gültiges Visa haben.

Donnerstag, 11. November 2021

Große Helfer, tolle Freunde

Es war nun schon das zweite Mal, dass wir eine Gruppe aus einer Gemeinde in Fulda zu Gast bei uns hatten. Für zwei Wochen kamen sie, um uns beim Bau eines neues Geräteschuppens für unseren Gemüsegarten und in vielen anderen praktischen Dingen zu unterstützen. Zugleich wollten sie natürlich auch einen Einblick in die vielfältige Arbeit von Melusi bekommen.
Für uns war ihr Besuch sowohl eine großartige Unterstützung, wie auch eine tolle Ermutigung. Harry, Edith, Laura, Julia, Harry und Dave sind als Helfer angereist und haben uns als Freunde verlassen. DANKE.

Dienstag, 2. November 2021

Kleine Jungs, große Freude

Am Samstag stand das große Finale der städtischen Fuball-Liga für Jungs unter 13 Jahre an. Unser Team Melusi United hatte im Vorfeld ihre Staffel gewonnen und spielte nun gegen den anderen Gruppensieger. Für unsere "kleinen" Jungs ein großer Ereignis.

Der Platz und die Umstände waren zwar nicht einem Finale würdig, aber die Jungs schien dies nicht sonderlich zu stören. Es war ihre große Chance. Sie spielten mit viel Einsatz und Begeisterung und führten zur Halbzeit verdient mit 1:0.
Auch in der zweiten Halbzeit waren sie das bessere Team und drängten auf ein weiteres Tor. Doch daraus wurde nichts mehr. Der Schiedsrichter hatte sich mit der Zeit verrechnet und pfiff viel zu früh ab. Auf unsere Nachfrage, ob die zweite Halbzeit wirklich 20 Minuten war, sagte er nur: "Natürlich, ich habe 10:12 Uhr angepfiffen und bis 10:23 Uhr spielen lassen." Nach seiner Mathematik waren dies 20 Minuten.
Naja, unseren Jungs war dies egal und das lange Warten auf ihren Pokal konnte beginnen...


Bevor der Pokal endlich organisiert war und noch weitere Finalbegegnungen ausgetragen wurden, dauerte es noch fünf Stunden bis zur Siegerehrung. Da bis dahin dann doch schon alle Fans gegangen waren, kamen die Jungs voller Stolz noch einmal zum Feiern nach Melusi. Auch der Regen konnte ihrer guten Laune nichts anhaben.
Den Abschluß und Höhepunkt der großen Feierlichkeit bildete eine "Siegesfahrt" mit Hupen und lautem Singen und Tanzen durch die kleine Siedlung, in der die meisten Jungs wohnen und die von kaputten Familien und extrem hoher Kriminalität geprägt ist.


Aktuell spielen zwischen 80-100 Jungen und auch ein paar Mädchen für unser Fußball Team Melusi United. Vor allem die U10 und U13 werden ständig von neuen begeisterten Spielern überrannt. Natürlich kommen sie in erster Linie, um Fußball zu spielen. Doch uns geht es um weit mehr. Wir wünschen uns sehr, dass sie Jesus kennen lernen und trotz ihrer Lebensumstände, Hoffnung und Freude für ihr Leben finden. Dies wäre der größte Sieg.

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Freundesbrief Barthel

Zur Vergrößerung unseres Freundesbriefes klickt einfach darauf.
 


Montag, 18. Oktober 2021

Melusi Hühner-Farm

Seit ein paar Tagen gibt es 20 neue "Bewohner" in Melusi. Während der zurückliegenden Wintermonate haben wir ein kleines Hühnerhaus gebaut und alles notwendige vorbereitet. Mit dem nun etwas wärmeren Wetter wurden die ersten Hühner geliefert und unsere Hühner-Farm kann starten. Langfristig hoffen wir, dass wir sowohl Eier, wie auch Fleisch für unsere Küche erhalten. Nun sind wir erst einmal gespannt, wie sich unsere kleine Farm entwickelt und wie gut sich unsere neuen Bewohner in Melusi einleben.

Sonntag, 3. Oktober 2021

Lobola-Verhandlungen

Es gibt nicht viele wichtigere Tage für eine Zulu-Familie als die Verhandlungen über den Brautpreis der eigenen Tochter. Die Männer der "weiteren" Familie - Großvater, Vater, Brüder, Onkel, Cousins ... - treffen dabei auf die Männer der Familie des zukünftigen Ehemannes. Es gibt dabei eine klar abgesteckte Tradition und viele Besonderheiten und "Spielregeln", zu beachten. In allem geht es darum, der Familie der Braut einen angemessenen Preis - früher wurde dieser in Kühe, heute wird er meistens in Geld bezahlt -, für ihre Tochter zu überreichen. Auch wenn es nicht wirklich um einen "Verkauf" der Tochter geht, so soll die Familie für das Aufziehen der Tochter geehrt und für den baldigen Verlust entschädigt werden.
Die eigentlichen Verhandlungen sind normalerweise an einem Tag geschafft. Doch sind sie nur ein Anfang weiterer Treffen der Familien mit verschiedenen Traditionen und Ritualen. Denn es geht nicht nur um ein "Bezahlen" der Brautfamilie, sondern auch um ein "geistliches" Auslösen der Braut. Bisher gehörte sie zu ihrer Familie und stand unter dem Schutz ihrer Ahnengeister. Nun müssen diese durch Opfer und andere Dinge zufriedengestellt werden, damit sie die Braut in Frieden ziehen lassen. Zur Hochzeit wird dann die Braut in die neue Familie eingeführt. Auch dort müssen die zuständigen Ahnengeister durch Opfer und andere Rituale wohlgestimmt werden.

Nun wurde ich [Stephan] angefragt, als Pastor gemeinsam mit einem weiteren Teammitglied die Verhandlungen für eine alleinerziehende Mutter von drei Töchtern zu führen. Der Vater ist vor zwei Jahren verstorben und andere Männer gibt es nicht in der Familie. So musste ich kurzerhand die Familie vertreten und von "unserer" Familie und "unserer" Tochter sprechen.
Die Familienvertreter des zukünftigen Bräutigams haben nicht schlecht gestaunt als ihnen ein weißer Mann als Verhandlungsführer gegenüber saß. Als ich ihnen dann erklärte, dass wir "unsere" Tochter führ kein Geld der Welt "verkaufen" werden, wurden sie etwas stutzig. Da die Familie zu unserer Gemeinde gehört und an Jesus glaubt, wollten sie bewußt alles vermeiden, was in irgendeiner Weise in Richtung Ahnenverehrung und Opfer geht. Zu unserer Überraschung haben sich die Männer der Gegenseite nach kurzer telefonischer Rücksprache auf unsere Forderung eingelassen: kein Brautpreis, dafür aber auch keine traditionellen Rituale.

Nachdem die Verhandlungsergebnisse aufgeschrieben worden, kamen die Frauen dazu und bedienten uns Männer. Man wollte den Gästen unbedingt zeigen, dass die junge Frau aus einer "wohlhabenden" Familie kommt. Es wurde so viel aufgetischt, dass wir Männer nicht im Ansatz eine Chance hatten, dies auch nur annähernd aufzuessen.
Als unsere Gäste dann schon im Aufbrechen waren, überraschte der zukünftige Ehemann seine Frau mit einem Ring zur Verlobung. Ein schöner Abschluss eines spannenden Tages...

Kurze Zeit später waren alle Gäste wieder gefahren und alle Aufregung und vor allem Anspannung vorbei. Die Mutter der zukünftigen Braut nahm neben uns Platz und sagte mit viel Dankbarkeit: "Ich bin froh, dass ich zu eurer Familie gehören darf." Es hätte kein größeres Kompliment für uns an diesem Tag geben können.

Mittwoch, 15. September 2021

Legal illegal

Bevor Bheki nach Melusi kam, "wohnte" er für knapp zwei Jahre in einem großen Krankenhaus unserer Nachbarstadt. Wie er dort hinkam, weiß er heute nicht mehr. Wahrscheinlich wurde er bewußtlos gefunden und eingeliefert. Als es ihm besser ging, konnte man ihn nicht einfach entlassen, da er keinen Wohnsitz hatte. Da die Suche nach seinen Verwandten ergebnislos blieb, wurde er schließlich durch einen Sozialarbeiter nach Melusi gebracht. Nun wohnt er schon seit vier Jahren bei uns und gehört förmlich zu unserer Melusi Familie. Von seiner eigenen Familie hingegen fehlt weiterhin jede Spur. Er behauptet zwar, dass er noch einen Bruder hat, doch trotz vieler Versuche, konnten wir bisher nichts herausfinden. Angeblich war sein Vater Südafrikaner und seine Mutter aus Swaziland, wo er auch geboren wurde. Irgendwann ist er dann mit seinem Vater und seinem Bruder über die "grüne" Grenze nach Südafrika gekommen.

Baba Joseph hat eine ähnliche Geschichte. Er wurde vor 1,5 Jahren von der Polizei in der Nähe von Dundee "aufgelesen" und nach Melusi gebracht. Keinen festen Wohnsitz, keine Verwandten mehr. Angeblich ist er von Zuhause weggelaufen, als alle seine Familienangehörigen gestorben sind. Aus Angst, dass auch er sterben wird, hat er sich dann aufgemacht. Wann genau das war, kann er sich nicht mehr erinnern. Er hat uns nur davon erzählt, dass er aus einer bekannten Stadt in einem benachbarten Bundesland kommt. Sein Haus wäre dort, wo die großen Bäume stehen.

Da sowohl Bheki wie auch Baba Joseph über keine offiziellen Dokumente verfügen, haben wir über Monate - bei Bheki seit mehreren Jahren - versucht, ihnen über die Behörde eine Geburtsurkunde und einen Personalausweis zu besorgen. Da sie aber noch nie im System registriert waren, ging es lange Zeit keinen Schritt vorwärts. Doch vor kurzem wurden sie dann tatsächlich zu einem Interview in die Behörde eingeladen. Eine spezielle Kommission kam nach Dundee, um offizielle Dokumente für diejenigen zu genehmigen, die noch nie welche hatten. Dies betrifft vor allem viele ältere Menschen aus ländlichen Regionen.

So sind wir gemeinsam mit Bheki und Baba Joseph und viel Hoffnung zu dem Termin gegangen, auf den wir so lange gewartet hatten. Doch schon nach wenigen Minuten war klar, dass sich unsere Hoffnung nicht erfüllt. Da Bheki in Swaziland geboren wurde und seine Mutter von dort kommt, wurde sein Antrag sofort abgelehnt. Dies hatten wir irgendwie schon befürchtet. Die Überraschung kam dann aber als Baba Joseph vor der Kommission auch plötzlich davon sprach, dass er eigentlich aus Swaziland kommt und genauso wie Bheki vor Jahren über die "grüne" Grenze nach Südafrika kam. Damit hatten sich natürlich all unsere Hoffnung erledigt.

Nun sind beide Männer offiziell als illegale Einwanderer eingestuft. Sie werden damit keine südafrikanischen Dokumente bekommen und nie eine Rente oder andersweitige Unterstützung erhalten. Wie es aber für sie nun weitergeht, bleibt fraglich. Eigentlich müssten sie deportiert werden. Doch dies würde viel Arbeit und Recherche erfordern und die dafür zuständige Behörde ist wirklich nicht für gute Arbeit bekannt. Wir wurden nun aufgefordert, uns mit dieser Behörde in Verbindung zu setzen und ihnen Druck zu machen. Doch passieren wird höchstwahrscheinlich nichts. Solange sie in Melusi wohnen, sind sie doch gut aufgehoben und stören keinen. Von daher wird sich da auch keiner groß bemühen. So werden sie auf absehbare Zeit legal illegal bleiben.