Sonntag, 14. Februar 2021

Geschlossen

Im April 2020 wurden wir durch den Bürgermeister von Dundee angefragt, Räumlichkeiten als Quarantänestation dem örtlichen Krankenhaus zur Verfügung zu stellen. Innerhalb weniger Tage hatten wir zwei Gebäude für mehr als 20 Patienten vorbereitet. Es schien als sei es nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten Patienten kommen sollten. [Blog: "Das lange Warten auf die Patienten"]

Doch daraus wurde nichts. Das Gesundheitsministerium benötigte vier Monate, um uns einen Vertrag vorzulegen. Als dieser dann endlich unterschrieben war, bestand eigentlich kein Bedarf mehr. Trotzdem lieferte das Krankenhaus benötigtes Material und engagierte extra einen Sicherheitsdienst, der unsere beiden Gebäude rund um die Uhr bewachte. Tag für Tag, Woche für Woche. Monat für Monat. Doch Patienten kamen keine. 

Selbst als im Dezember und Januar die zweite Corona-Welle nach Südafrika kam, wurden unsere Gebäude nicht genutzt. Das Krankenhaus hatte alle Hände voll zu tun mit Patienten, die um ihr Leben kämpften. Für diese Patienten waren wir nicht ausgerüstet und für das Betreiben einer zusätzlichen Quarantänestation fehlte es dem Krankenhaus schlicht weg an Personal und Ressourcen.

Nachdem nun auch die zweite Corona-Welle weitesgehend vorüber ist, wurde unser Vertrag vom Gesundheitsministerium nicht mehr verlängert. Das Krankenhaus holte alles Material in den letzten Tagen ungenutzt wieder ab und der Sicherheitsdienst wurde nach sechs Monaten abgezogen. 
Letztendlich ist es Gottes Gnade, dass unsere Gebäude nicht benötigt worden.

Donnerstag, 4. Februar 2021

... UND IM FRIEDEN GELEITET WERDEN.

"Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden." [Jesaja 55.12] 
 
 
Als wir nach einer langen Reise am 04. Februar 2011 in Südafrika ankamen, waren wir einfach nur müde und überwältigt von den vielen neuen Eindrückem. Die ersten beiden Wochen waren wir in Durban zu einem Einführungsseminar. Von dort aus ging es dann nach Melusi: unserem neuen Zuhause.
Endlich konnten wir unsere Koffer auspacken - aus denen wir gefühlt mehrere Monate gelebt hatten. Endlich hatten wir wieder eine eigene Wohnung und dann sogar gleich ein eigenes kleines Haus. Endlich waren wir an dem Platz angekommen, der unser Zuhause für die nächsten 10 Jahre - und hoffentlich noch länger - werden sollte.

 
Die letzten 10 Jahre waren ein echter Segen für uns. Wir sind als Familie in vielerlei Hinsicht gewachsen und wissen uns reich beschenkt. Wir durften unglaublich viele tolle Menschen kennen lernen und mit ihnen unser Leben teilen. Wir haben unzählig viele Freunde gewonnen und sind durch die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen bereichert worden. Wir könnten endlos Geschichten erzählen über das Leben in Gemeinschaft und das Leben in einer anderen Kultur. Wir haben zusammen gelacht und geweint, vieles wunderschöne, aber auch vieles traurige erlebt. Doch das Wertvollste für uns an allem ist, dass wir dies gemeinsam als Familie erleben dürfen. 
Wir sind vor 10 Jahren in großer Freude ausgezogen und durften in all diesen Jahren erleben, wie Gott uns in seinem Frieden geleitet hat. Gott ist treu und seine Güte und Barmherzigkeit hat uns jeden Tag begleitet. Es kann nichts schöneres geben.

Mittwoch, 3. Februar 2021

IHR SOLLT IN FREUDEN AUSZIEHEN ...

"Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden." [Jesaja 55.12] 
Heute vor genau 10 Jahren sind wir mit diesem Bibelvers als Zuspruch Gottes mit unseren damals zwei kleinen Kindern nach Südafrika ausgereist. Es hieß Abschied nehmen von Familien und Freunden und sich auf ein echtes Glaubensabenteuer einlassen.

Seit unserer Hochzeit hing dieses Bild, welches wir als Geschenk von Freunden bekamen, über unserer Wohnungstür. Es war eine tägliche Erinnerung an Gottes Berufung für uns: In die Welt zu gehen und Menschen zu seinen Nachfolgern zu machen. Es war aber zugleich auch immer ein großartiger Zuspruch Gottes, dass wir in Freuden ausziehen und in seinem Frieden geleitet werden.

Obwohl wir auf diesen Tag hingefiebert hatten und die Vorfreude täglich stieg, fiel uns der Abschied von unseren Familien und Freunden nicht einfach. Die Kinder waren zu klein, um überhaupt richtig zu verstehen, was damals passierte. Und ganz ehrlich gesagt, konnten auch wir uns nicht wirklich vorstellen, was auf uns wartete. So sind wir in großer Vorfreude und gleichzeitig mit Abschiedstränen und einem etwas mulmigen Gefühl ins Flugzeug gestiegen. Das Glaubensabenteuer sollte beginnen.

Samstag, 23. Januar 2021

Kleines Haus, große Freude

Mama Maria und Baba Eric wurden 2010 aus ihrem ursprünglichen Dorf in eine "Übergangssiedlung" umquartiert. Das damalige Versprechen war, dass die Regierung ihnen ein neues Haus in ihrem eigentlichen Dorf baut und ihnen dann kostenfrei zur Verfügung stellt. Gestern war es nach elf Jahren Warten und unzähligen gebrochenen Versprechungen und Enttäuschungen tatsächlich soweit: sie haben die Schlüssel für IHR Haus bekommen. GROSSE FREUDE.


Der Staat Südafrika hat seit vielen Jahren ein großes Entwicklungsprojekt laufen, in dem jedes Jahr tausende Häuser gebaut werden, die dann an Menschen gegeben werden, die bisher in Lehm- oder Blechhütten gewohnt haben. Über die letzten 25 Jahre hat dies wirklich zu einer großen Verbesserung der Wohnsituation für viele Menschen geführt.
Doch leider kommt es dabei immer wieder zu Korruption: die Aufträge für den Bau der Häuser werden unter der Hand gegen viel Geld vergeben, Häuser können nicht fertig gestellt werden, da die Gelder mißbraucht worden sind und nicht immer bekommen wirklich die Ärmsten die Häuser, sondern immer wieder auch Leute, die bereit sind zu bezahlen oder die richtigen Kontakte haben.

Für Mama Maria und Baba Eric ist nach vielen Jahres des Warten nun ihr Traum in Erfüllung gegangen. Endlich müssen sie nicht mehr bei jedem Regen, um den Bestand ihrer Lehmwände fürchten. Endlich haben sie fließend Wasser, eine Dusche und sogar eine richtige Toilette in ihrem Haus. Und sollte die Regierung Wort halten, werden sie noch dieses Jahr an das Stromnetz angeschlossen.
Auf alle Fälle ziehen sie mit fünf Kindern, um die sie sich kümmern in den nächsten Tagen in ihr neues Haus. Ihren kleinen Kindergarten und die Kinderspeisung wird Mama Maria in ihrem alten Haus vorerst aber weiterführen.

Donnerstag, 7. Januar 2021

Melusi Garten

Seit vielen Jahren betreiben wir einen großen Gemüsegarten auf unserem Grundstück. Vor allem in den letzten beiden Jahren - und auch in diesem Sommer - können wir uns vor Gemüse kaum retten. Der Garten ist ein echter Segen und nicht nur wir als Melusi Gemeinschaft und unsere wohnungslosen Männer profitieren davon, sondern wir können auch großzügig an Bedürftige weitergeben.
Momentan arbeiten 75 Leute in fünf Teams einmal wöchentlich im Garten und erhalten dafür ein großes Lebensmittelpaket - inklusive frischem Gemüse. Darüber hinaus können wir noch andere Einrichtungen und viele Familien in den Townships mit unserer Ernte beschenken und segnen.


Nun sind wir gerade dabei, unseren Garten um ein großes Feld, was bisher brach lag, zu erweitern. Nachdem wir vor wenigen Wochen einen alten Traktor gekauft haben, konnten wir anfangen das Feld vorzubereiten. Aktuell versuchen wir, eine Möglichkeit zur Bewässerung zu schaffen. Doch aufgrund des guten Regens der letzten Wochen haben wir nun angefangen, den ersten Samen auf unserem neuen Feld zu säen und freuen uns darauf, bald noch mehr Leute mit unserem Gemüse beschenken und segnen zu können.

Montag, 28. Dezember 2020

Weihnachten in Familie

Unsere Familie / Heiligabend 2020

Weihnachten in Familie - für viele Menschen weltweit war dies aufgrund von Corona dieses Jahr nicht oder nur eingeschränkt möglich. Auch wenn es in den letzten Tagen in Südafrika nur wenige Einschränkungen gab, so ist "Weihnachten in Familie" für die meisten unserer wohnungslosen Männer sowieso nur ein Traum. Entweder sie haben jeden Kontakt zu ihrer Familie verloren oder sind einfach nicht willkommen. 

Von daher ist Weihnachten immer eine besondere Zeit in Melusi. Als Team feiern wir gemeinsam mit unseren Männern. Für einige ist es das erste nüchterne Weihnachten seit vielen Jahren. Die meisten Männer sind tief berührt und manche wischen sich sogar Tränen aus dem Gesicht, wenn sie ein Geschenk überreicht bekommen und wir ihnen ein paar sehr persönliche Worte der Anerkennung und Wertschätzung mitgeben. 

Dieses Jahr haben alle unsere Männer ein besticktes T-Shirt von uns bekommen: Hoffnung, Gnade und gesegnet. Es ist unsere feste Überzeugung, dass es durch die Gnade Gottes Hoffnung für unsere Männer gibt und sie als Gesegnete leben dürfen.

Einige unsere Männer zeigen stolz ihr neues T-Shirt

Sonntag, 6. Dezember 2020

Endlich ein Dach über'n Kopf

  
Gerade stürmt es gewaltig. Regen, Hagel - alles was geht. Normalerweise war dieses Wetter der Horror für Mama Sylvia und ihre beiden Mädels. Das Dach ihrer alten Hütte glich eher einem Sieb und wann immer es regnete, mussten sie überall Schüsseln und Eimer aufstellen. In einer regnerischen Nacht war an Schlaf kaum zu denken.
Vor einigen Jahren hatten die drei Frauen angefangen, ein neues Haus zu bauen. Sie hatten alles selber gemacht: Fundament, Mauern, Fenster und Türen einbauen. Die Wände sind zwar reichlich schief geworden, doch dafür recht stark. Doch leider hat ihr Geld nie dafür gereicht, dem neuen Haus ein ordentliches Dach zu geben und so mussten sie weiterhin in ihrer alten Blechhütte wohnen.


Sylvia und ihre beiden Mädels gehören seit ein paar Jahren zu Melusi. Sie kocht täglich in unserer Gemeinschaftsküche, die Mädels gehören zu unserer Jugendgruppe und seit kurzem gibt es jeden Sonntag Kids Church auf ihrem Grundstück.
Da sie aus eigener Kraft ihren Traum vom neuen Haus - mit regensicherem Dach - selber nicht verwirklichen konnten, haben wir sie dabei unterstützt. Gemeinsam mit ein paar unserer Residents und einigen Leuten aus der Gemeinde haben wir ihnen ein ordentlichen Dach auf ihr Haus gesetzt, den Fußboden gegossen, Türen gehangen und noch ein paar Dinge ausgebessert.


Es ist bei weitem kein Traumhaus geworden - jedenfalls aus unserer Sicht. Doch umso größer war die Freude der drei Frauen als sie endlich einziehen konnten. Sie können ihr Glück immer noch kaum fassen und genießen es nun förmlich, wenn es regenet.