Sonntag, 18. September 2016

Regen ist Segen

Seit heute Vormittag regnet es fast ununterbrochen und auch gestern hatte es schon etwas geregnet. Was für europäische Verhältnisse nichts besonderes ist, lässt uns in Südafrika jubeln. Denn nach zwei Jahren Dürre haben sich nicht nur die Bauern die Regenzeit herbeigesehnt - und dieses Mal scheint es vielleicht wirklich, eine Regenzeit zu werden. Jedenfalls fängt es schon einmal gut an.
Die Auswirkungen der Dürre werden natürlich nicht von heute auf morgen verschwinden. Der Grundwasserspiegel ist drastisch gesunken, fast alle Wasserressevoirs und Seen sind leer oder haben nur noch kleine Restbestände an Wasser, hunderttausende Kühe sind gestorben und Bauern haben sich verschuldet, um den Auswirkungen entgegenzusteuern. In manchen Kommunen kommt schon seit Monaten kein Wasser mehr aus der Leitung und die Versorgung findet nur über Wasser-LKWs statt. 
Auch wenn gegen allen Vorhersagen es in Dundee noch Wasser aus der Leitung gibt, so wurde dieses in den letzten Monaten stark reguliert. Nur in den Morgen- und Abendstunden ist der Wasserdruck normal. Im Laufe des Tages und auch in der Nacht wird das Wasser entweder ganz abgestellt oder der Druck drastisch reduziert. Wäsche waschen wird damit zu einer echten Herausforderung, die optimale Zeit zum Duschen sollte man nicht verpassen, das Duschwasser wird zur Bewässerung der Obstbäume genutzt und und und.
Nun hoffen wir stark, dass es in den nächsten Monaten noch viele Regentagen gibt, die Wasservorräte wieder aufgefühlt werden und sich das Leben etwas normalisiert. 
Regen ist Segen.

Freitag, 9. September 2016

Lebe wohl Baba!

Beim Abschied liefen ihm Tränen über das Gesicht. Heute Morgen wurde Baba Majola von zwei Sozialarbeitern abgeholt, um ihn durch halb Südafrika zu seiner Familie zu fahren. Majola ist vor 25 oder 40 Jahren - so genau weiß das keiner - nach Dundee gekommen, um in den Kohlebergwerken zu arbeiten. Irgendwann ist der Kontakt zu seiner Familie abgebrochen. Doch den Wunsch, irgendwann wieder zu ihnen zurück zu kehren, hat er nie verloren. Auch wenn keiner so recht weiß, ob es seine Familie nocht gibt und die Reise erfolgreich wird, hat er sich heute auf den Weg gemacht und sich von uns - wahrscheinlich für immer - verabschiedet.


Seit Jahren kannten wir Baba Majola und haben ihn regelmäßig in seiner kleinen Hütte besucht. Letztes Jahr hat er sich für Jesus entschieden und wurde Anfang diesen Jahres in Melusi getauft [siehe dazu auch: "Weihnachten in der Badewanne" und "Freude"]. Seitdem war er einer unserer treuesten Gottesdienstbesucher und eines der bekanntesten Gesichter in unserer Gemeinde. Er war ein absolutes Original und in seiner einfachen Art uns allen ziemlich ans Herz gewachsen. Lebe wohl Baba!

Dienstag, 6. September 2016

Nicht Weiß - nicht Schwarz

Kaum ein anderes Thema ist in Südafrika so präsent wie das Miteinander der unterschiedlichen Rassen. Auch wenn die Zeit der Apartheid nun schon über 20 Jahre her ist, so herrscht bis heute leider oft ein Nebeneinander oder sogar Gegeneinander anstatt eines echten Miteinanders. Natürlich hat sich schon vieles - vor allem für die Schwarzen - verbessert. Doch zugleich hat man manchmal auch den Eindruck, dass nun das Pendel in die andere Richtung umschlägt und Weiße benachteiligt werden. Für Südafrika wird sich anhand dieser Frage entscheiden, wie es für das Land in Zukunft weitergeht.

Doch auch in unserer Gemeinde ist das "Miteinander" von Schwarz und Weiß ein brennendes Thema. Als wir 2011 nach Melusi kamen, gab es gerade mal eine handvoll Zulus in der Gemeinde. Der überwiegende Teil war weiß und dies hat sich auch bis letztes Jahr nicht groß verändert. Doch dann brach plötzlich etwas auf und aus einer anfänglich kleinen Gruppe, die regelmäßig unsere Gottesdienste besuchte, ist nun eine große Schar von Schwarzen geworden, die jeden Sonntag nach Melusi kommen.

Natürlich verändert dies die Dynamik in der Gemeinde. Es ist ja nicht nur so, dass die Hautfarbe und Sprache eine andere ist, sondern es prallen förmlich zwei ganz unterschiedliche Welten aufeinander. Dass dabei nicht jeder aus der Gemeinde die Entwickling der letzten Monate gut heißt, kann man sich leicht vorstellen. Zu sehr ist noch das Denken verankert, dass es Gemeinden für Schwarze und Gemeinden für Weiße gibt. Nicht zu vergessen gibt es natürlich auch bis heute Gemeinden nur für Afrikaaner [holländische Einwanderer], für "Engländer", für Deutsche, für Inder, für Mischlinge...

Als Melusi Gemeinde haben wir uns klar dazu bekannt, dass wir keine "weiße" Gemeinde sind und auch keine "schwarze" Gemeinde werden. Wir sind eine Gemeinde, die GOTT liebt, in Gemeinschaft lebt, den Armen dient und Menschen zu Nachfolgern Jesu machen möchte - völlig unabhängig von Farbe, Rasse, Sprache und Herkunft. Doch trotz dieses Bekenntnisses ist es noch ein weiter Weg bis zu einem echten Miteinander in unserer Gemeinde.

Ein Riesenschritt in die richtige Richtung haben wir dabei gemeinsam am Sonntag gemacht. Nachdem ein weißer Südafrikaner über Einheit zwischen Schwarz und Weiß gepredigt hatte, wusch er am Ende seiner Predigt einer alten Zulu Oma die Füße und entschuldigte sich für das, was Weiße ihr angetan hatten. Danach bestand die Möglichkeit, sich gegenseitig die Füße zu waschen und es spielten sich bewegende Szenen ab. Mit Tränen in den Augen kamen mehr und mehr Leute nach vorn und nutzen diese Möglichkeit. Es war als würde der Himmel offen stehen und Versöhnung möglich machen.

Montag, 29. August 2016

Es kommt etwas ins Rollen

Es war eigentlich nur als ein Test gedacht. Anstatt mit einem völlig überladenen Auto mehrmals durch den Township zu fahren und irgendwie zu versuchen, jeden Sonntag mehr Leute zum Gottesdienst nach Melusi zu nehmen, hatten wir gestern einen großen Schulbus gemietet. Es war im wahrsten Sinne ein "bewegendes" Erlebnis. 


Hatten wir dies bisher nur für unsere vierteljährlichen Jugend-Lobpreisabende getan, so stellt sich nach gestern eigentlich nur die Frage, welchen Grund es gibt, dies nicht wöchentlich zu tun. Mit mehr als 60 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen war der Bus schon beim ersten Mal so gut wie voll. Noch nie hatten wir so viele Kinder [80] im Kindergottesdienst und auch der "normale" Gottesdienst war mit 90 Erwachsenen gut besucht. 
Nun stellt sich wirklich nur noch die Frage, wie es weitergeht. Der Bus scheint momentan eine großartige Idee zu sein, doch müssen wir sehen, ob wir dies wöchentlich finanzieren können. Auf alle Fälle ist etwas Spannendes ins Rollen gekommen.

Montag, 22. August 2016

Ein trauriges Ende

Obwohl Jason [30 Jahre] seit Ende März in Melusi wohnte, wussten wir nur sehr wenig von ihm. Er lebte zurückgezogen, hatte wenige Freunde unter unseren wohnungslosen Männern und öffnete sich kaum uns Mitarbeitern gegenüber. Jason litt sehr unter der Ablehnung, die er durch seine Familie erfuhr und versuchte seit Jahren sein Leben irgendwie auf die Beine zu bekommen. Doch immer wieder scheiterte er an seiner Abhängigkeit, seinen Depressionen oder seiner Gesundheit. 
Vor zwei Wochen haben wir Jason gebeten, sich nach etwas Neuem umzusehen, da er permanent versuchte, unsere Regeln zu umgehen. Vor allem in seinen letzten Tagen in Melusi, schien er manchmal merkwürdig abwesend zu sein.
Nachdem er uns verlassen hatte, kam er immer wieder kurz vorbei, um zurückgelassene Sachen zu holen. Wo er wohnte und wie es ihm ging, darüber sprach er nicht. 
Nur einen Tag nachdem er das letzte Mal bei uns vorbeischaute erfuhren wir, dass er im Krankenhaus lag. Irgendwie ließ mir dies keine Ruhe und ich bin noch am gleichen Nachmittag zu ihm gefahren. Doch was ich sah, läßt sich kaum in Worte fassen. Jason lag schwer hirngeschädigt in seinem Bett, kratzte sich am ganzen Körper und war überhaupt nicht mehr ansprechbar. Nur wenige Stunden später verstarb er. Vermutlich war durch sein HIV/Aids eine Hirnblutung eingetreten.
Morgen werden wir in Melusi eine Gedächtnisfeier für Jason haben. Doch leider hat seine Familie kein Interesse daran und auch seine wenigen Freunde, die er in der Stadt hatte, werden nicht teilnehmen. Ein wahrlich trauriges Ende.

Montag, 15. August 2016

Zugang verboten

Für eine unglaubliche Geldsumme wurde Anfang des Jahres ein toller Park mit Kinderspielplatz, Fitnessgeräten, Toilettenhäuschen, Rollrasen und Blumenbeeten ganz in unmittelbarer Nähe zu absolut ärmlichen Lehm- und Blechhütten gebaut. Auch wenn viele Anwohner nur mit dem Kopf schüttelten und verständlicherweise lieber ordentliche Häuser bekommen hätten, so hatten sich doch wenigstens die Kinder auf den tollen, neuen Spielplatz gefreut.  Doch seit einigen Monaten heißt es noch immer: Zugang verboten.
Auch wenn der Park schon offiziell eingeweiht wurde und in der Zeitung tolle Bilder zu sehen waren, so können die Kinder sich den Spielplatz bisher nur aus der Ferne ansehen.
Die Baufirma wartet noch auf die abschließende Zahlung durch die Stadt. Doch dort ist ein Teil des zur Verfügung gestellten Geldes "irgendwie" abhanden gekommen. Da andere Gelder nicht vorhanden sind, kann man die ausstehenden Gelder vorerst nicht bezahlen. Und solange nicht bezahlt ist, bleibt der Park geschlossen.
Leider kein Einzelfall. Korruption ist eines der größten Probleme in Südafrika. Auch wenn alle sich beklagen und die politischen Parteien sich gegenseitig beschuldigen, hat man doch nicht das Gefühl, dass sich daran etwas ändert. Und solange dies so bleibt, heißt es: Zugang verboten.

Dienstag, 9. August 2016

Traumhaus

Für viele Südafrikaner sind sie der große Traum von einem eigenen Haus. Der Staat Südafrika baut für diejenigen, die unter der Armutsgrenze leben und noch nie ein eigenes, richtiges Haus besessen haben, eine Art "Sozialhaus". Sie sind zwar nicht so schön und bei weitem nicht so teuer wie das Anwesen des Präsidenten, doch gibt es leider um diese Häuser genauso viel Ärger.


Viele der Familien, die wir wöchentlich besuchen, warten schon seit Jahren auf ihr Haus. Ihr Name steht zwar mit auf der Liste, aber dies hat leider nicht immer etwas zu sagen. Auch wenn diese Häuser eigentlich kostenfrei an die Ärmsten gegeben werden sollen, wird mit ihnen leider immer wieder viel Geld gemacht. Die Entscheidungsträger halten zu gern ihre Hände auf und verkaufen oder vermieten die Häuser. Das Geld fließt dann natürlich in die eigenen Taschen. Auch wenn dies ständig vorkommt und zum Teil auch aufgedeckt wird, hat dies doch kaum Konsequenzen - jedenfalls nicht für die korrupten Verantwortlichen. Für die Ärmsten der Armen aber schon. Sie leben weiter in ihren Lehm- oder Blechhütten, da sie sich ihr "kostenfreies" Haus nicht leisten können. So bleibt es für viele ein echtes "Traumhaus".