Dienstag, 3. April 2012

Teen mums shocker ...

... so lautete vor einigen Tagen die Schlagzeile auf der Titelseite der Lokalzeitung von Dundee. Frei übersetzt könnte man sagen: "Schock über Teenie-Schwangerschaften". Grund der reißerischen Überschrift ist, dass es in der High School, die sich direkt im Township befindet, aktuell 166 jugendliche Mütter gibt. Allein letztes Jahr waren 65 Schülerinnen schwanger und fünf bekamen ihr Baby während ihrer Examenszeit. Diese Zahlen sind selbst für Südafrika erschreckend hoch und haben daher auch für einigen Wirbel gesorgt. Doch daran ändern wird sich in nächster Zeit wahrscheinlich nicht viel.
Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig: fehlende Aufklärung, ausufernde Sexualität, Zerfall der traditionellen Familienstruktur und damit auch verbunden Zerfall der Sexualmoral und und und. Böse Zungen behaupten auch, dass Mütter oder Großmütter ihre Töchter ermutigen, im jungen Alter Kinder zu bekommen, da sie so vom Staat ein Mini-Kindergeld erhalten, womit sie ihrer Familie helfen können. Aber natürlich wird auch jedes Kind als ein Beitrag zur Sicherung der Familienzukunft gesehen. 
Von daher wird man sich vom "Schock" schnell erholen und sich fragen müssen, wie kann man diesen Kindern und ihren Kindern, eine Zukunftsperspektive bieten und was muss sich wirklich in dem Leben der Jugendlichen ändern, damit sich etwas ändern kann.

Keine Seltenheit: Schuluniform und Kleinkind

Freitag, 30. März 2012

5:39 Uhr

Mein Telefon klingelt. Es ist 5:39 Uhr und ich liege noch im Bett. Ein Mann, der seit über 20 Jahren auf der Straße lebt und kein eigenes Bett hat, wird von seinen Verwandten nach Melusi gebracht. Auf dem Weg zur Arbeit bringen sie ihn bei uns vorbei. Er ist unser 16. Resident und damit sind nun alle Betten belegt.
Als wir vor einem Jahr hier ankamen, hatten wir zwischen 7 und 10 Männer, die bei uns wohnten. Seitdem sind es langsam aber sicher immer mehr geworden. In den letzten Wochen hatten wir nie weniger als elf Männer. Und nun sind es 16.
Nicht nur, dass wir im Moment mehr und mehr neue Männer bekommen, sie bleiben auch länger. Dies ist natürlich kein schlechtes Zeichen und zeigt, dass die meisten sich wirklich willkommen und wohl fühlen. Ein Gefühl, was einige von ihnen schon seit Jahren nicht mehr hatten.
Langsam wird es damit aber eng. Ziemlich eng sogar. Und trotzdem werden wir in den nächsten Tagen aus zwei Einzelbetten, Doppelstockbetten bauen, damit wir wirklich jedem, der auf der Suche nach einem Bett ist, eins geben können. Auch 5:39 Uhr am Morgen.

Dienstag, 27. März 2012

Brotzeit

Auch wenn wir aufgrund der WEC-Konferenz die meisten unserer Projekte für diese Woche abgesagt haben, so sind wir doch gestern in einen Township gefahren und haben zumindestens Brot verteilt. Da wir täglich 50 Brote durch einen Supermarkt gespendet bekommen - die wir bei Normalbetrieb locker verbrauchen - hatten wir einiges, was wir ausgeben konnten. Da eine Verteilaktion auf der Straße oft im Chaos endet, sind wir bewusst Familien angefahren, die wir auch sonst regelmäßig mit einem Lebensmittelpaket unterstützen. Aufgrund fehlender Mitarbeiter habe ich [Stephan] dieses Mal Elisa.Joy und Ben.Luca mitgenommen, die mir beim Ausgeben der Brote kräftig geholfen haben.

Sonntag, 25. März 2012

Allein

Es ist ruhig geworden in Melusi - jedenfalls was die Mitarbeiter betrifft. Denn aktuell findet die jährliche Konferenz von WEC Südafrika statt und der Großteil unseres Teams [10 Mitarbeiter] befindet sich daher in Kapstadt. Außer uns ist noch eine andere deutsche Familie hiergeblieben, die gemeinsam mit uns die Stellung hält. Die meisten unserer Programme wurden abgesagt und so beschränkt sich die Arbeit in dieser Woche vor allem auf unsere Residents [obdachlosen Männer] und das HIV/Aids-Care.Centre. Doch man weiß am Anfang einer Woche nie, was wirklich alles so passieren wird und so sind wir mal gespannt, wie wir diese Woche allein managen werden.

Donnerstag, 22. März 2012

Zwei Fließen

Es begann alles mit zwei Fließen. Eigentlich wollten wir noch vor der Geburt von Jo.Ann einige Kleinigkeiten in unserem Haus reparieren lassen. Aber irgendwie kam es immer nicht dazu. Doch am Montag war es endlich soweit und einer unserer Residents kam, um die verschiedenen Dinge in Ordnung zu bringen. Eine seiner Aufgaben war es, in unserem Bad zwei Fließen, die ziemlich locker waren, wieder zu befestigen. 
Er hat es auch probiert, doch leider sind dabei fast alle Fließen dieser Wand abgefallen. Und nach eingängiger Untersuchung haben wir dann entschieden, das Bad komplett neu zu fließen. Das Dumme dabei ist, dieses Bad ist nur durch unser Schlafzimmer zu begehen.
Doch Gott sei Dank haben wir ein großen Haus und sind kurzerhand mit Jo.Ann in unser Gästezimmer umgezogen. Auch haben wir noch ein zweites Bad, welches wir in der Zwischenzeit nutzen können. Doch ganz ehrlich, war es nicht unsere Intention ein paar Tage nach der Geburt eine Großbaustelle in unserem Haus zu haben. Doch auch das werden wir überleben und blicken ganz zuversichtlich in die nächste Zeit.

Montag, 19. März 2012

Vater

Auch wenn wir gerade mit unseren eigenen drei Kindern gut als Eltern gefordert sind, so haben wir doch manchmal das Gefühl, für noch viel mehr Leute "Ersatzeltern" zu sein. Besonders in der Arbeit mit unseren Residents finde ich [Stephan] mich immer wieder in einer Art "Vaterrolle" wieder [ermutigen & zurecht weisen & Aufgaben übertragen & zur Verantwortung ziehen & Rat geben]. Dies ist zum Teil schon komisch, da einige der Männer vom Alter her meine Väter sein könnten. Doch vor allem zu den jüngeren Männern entwickelt sich oft ein wirklich guter Kontakt.


Einer der Männer, zu dem ich dabei eine besondere Beziehung aufbauen konnte, war Gareth [siehe "Alles vorbei mit 25 ?"]. Wie oft habe ich mit ihm geredet, wie oft ihn ermutigt, nicht aufzugeben, wie oft mit ihm gebetet, wie oft versucht, in einer positiven Art auf ihn einzuwirken und vielleicht damit eine Art Ersatzvater für ihn zu sein. Selbst als er zum wiederholten Mal Drogen genommen hat, haben wir ihn nicht einfach fallen gelassen, sondern ihn mit viel Hoffnung in eine christliche Drogen-Rehe geschickt.
Doch schon eine Woche später bekam ich die Nachricht: "Gareth ist heute gegangen" und nur zwei Tage später wurde er wieder in unserer Stadt gesehen. Hier hat er sich schnell einer Straßengang angeschlossen und war wieder mittendrin im Drogengeschäft. Er hat sich dann aufgegeben, kam uns nicht mehr besuchen, hat seine HIV-Medikamente nicht genommen und nur noch für Drogen gelebt. 
Vor wenigen Tagen hat er die Gelegenheit genutzt und ist nach Durban zu seiner Familie zurückgegangen. Seitdem haben wir von ihm nichts gehört - was nicht das beste Zeichen ist. Doch auch wenn er nun für uns von der Bildfläche verschwunden ist, so müssen wir immer wieder an ihn denken und wünschen ihm, dass er vor allem zu dem zurück findet, der wirklich sein Vater ist: GOTT.

Freitag, 16. März 2012

DANKE.

Ein ganz großes DANKESCHÖN an alle, die uns zur Geburt von Jo.Ann gratuliert haben. Es ist für uns überwältigend, wie viele Freunde sich bei uns gemeldet haben und sich mit uns freuen. Dies ist etwas, was wir wirklich schätzen und sehr genießen. DANKE.


Auch wenn Madeleine und Jo.Ann schon am Mittwoch Abend nach Hause kamen, so braucht es doch noch ein wenig Zeit, bis wir alle fünf wirklich in der neuen Familienkonstellation angekommen sind. Elisa.Joy und Ben.Luca sind noch völlig überdreht und können ihr Glück eigentlich auch noch nicht fassen. Jo.Ann ist tagsüber super lieb und "pflegeleicht", doch momentan ein nachtaktives Mädchen, was sich an einen normalen Tag-Nacht Rythmus erst noch gewöhnen muss. Madeleine genießt daher jede Minute, die sie für sich zum Ausruhen hat und ich [Stephan] versuche besonders in diesen ersten Tagen, mir deutlich mehr Zeit für die Kids zu nehmen.